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Omara verspottet den Wind

OmaraOmara Durand war 16 Jahre alt, als sie 2008 als zarte Jugendliche an den Paralympischen Spielen von Peking teilnahm. Im unvergesslichen „Vogelnest“, der gewaltigen Szenerie für die Leichtathletik-Wettkämpfe, blieb eine der größten Sprinthoffnungen im Behindertensport ohne Medaille.

Verletzungen und der logische Druck, sich selbst zu überwinden, um zu triumphieren, hielten sie schlussendlich vom Erfolg in der chinesischen Hauptstadt fern, aber drei Jahre später bereitete sie einen energischen Ansturm im abgelegenen Christchurch, der größten Stadt der südlichen Insel Neuseelands, vor.

Dort pulverisierte sie den Weltrekord über 200 Meter in der Kategorie T-13 (Sehbehinderte) mit 24,24 Sekunden – deutlich besser als die 24,45 Sekunden, die die US-Amerikanerin Marla Runyan 16 Jahre zuvor gelaufen war. Das reichte der Kubanerin aber noch nicht und bei den „Parapanamericanos“ von Guadalajara, Mexiko, durchbrach sie als erste Frau ihrer Kategorie mit 11,99 die Schallmauer von 12 Sekunden über 100 Meter.

Omara ist sich bewusst, dass ihre Triumphe zwar in jenen Zeiten begannen, dass sie aber die Früchte jahrelanger Arbeit waren, der Hingabe an den Sport in ihrer Heimatstadt Santiago de Cuba, wo sie als Leichtathletin herausragte, ungeachtet ihrer Liebe zum Volleyball und zur rhythmischen Sportgymnastik.

„Im Laufen war ich einfach besser und schneller“, sagt die unbeugsame Sprinterin zu ihrer endgültigen Entscheidung, Leichtathletin zu werden. Omara, die nicht viele Worte macht, wird in wenigen Tagen im Stadion Joao Havelange unter den fünf Ringen Rio de Janeiros das Einheimsen von Titeln wiederaufnehmen. Sie ist eine der großen Favoritinnen auf den Gewinn gleich mehrerer Goldmedaillen.

Die Verbundenheit mit ihrem Lenker Yuniol Kindelán wird für Omara die entscheidende Rolle bei der Umsetzung ihrer Wünsche in Rio spielen. Photo: Getty Images
Vorher wird sie die Ehre haben, Fahnenträgerin der kubanischen Delegation im mythischen Maracaná Stadion zu sein. „Für die gesamte Equipe die Flagge zu tragen, erfüllt mich mit großem Stolz“, verriet sie uns vor der Abreise nach Rio, wo am Mittwoch die Nationalfahne im Paralympischen Dorf gehisst wurde.

Über die Piste zu fliegen, ist ihr Auftrag, ist das Ziel, auf das sie sich seit Monaten vorbereitet, häufig unter dem unschuldigen Blick ihrer dreijährigen Tochter Erika, die ihr zweifellos eine große Motivation ist. Mit den Gedanken bei ihr wird sie in Rio die 100 m, die 200 m und die 400 m flach bestreiten – stets begleitet von ihrem Lenker Yuniol Kindelán, einem ehemaligen Mitglied des kubanischen Leichtathletik Nationalteams.

Nachdem sie bei den Paralympics von London 2012 die 100 m und die Stadionrunde (mit neuer Bestzeit für die Spiele) gewonnen hatte, sind es diesmal die 200 Meter, die ihren ganz besonderen Ehrgeiz wecken.

“Ich fühle mich gut und habe hart trainiert. Punkt“, sagt sie schlüssig. „Ich mag es nicht, darüber nachzudenken, was alles passieren könnte und welche Medaille ich möglicherweise gewinne. Was zu sagen bleibt, ist: Ich bin verletzungsfrei, physisch topfit und werde in den Wettkämpfen alles geben. Zu was es reicht, werden wir auf der Piste sehen.“

Acht Jahre nach der bitteren Pille von Peking ist Omara Durand reifer geworden. Ihre Beine haben sie ein ums andere Mal zu großen Siegen geführt. Sie hütet ihre goldenen Metalle in einer Vitrine und obwohl „die europäischen Gegnerinnen in Rio eine ernsthafte Konkurrenz sein werden“, geht sie davon aus, mit neuen Triumphen nach Kuba zurückzukehren. Sie weiß, dass sie, um dies zu erreichen, nur den Wind verhöhnen muss.

(Granma)

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