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Die Lähmung der Klimaverhandlungen

Yash Tandon

Traducido por  Susanne Schuster

(Tlaxcala)

Warum hat der Klimawandelaktivismus der Linken bisher darin versagt, Regierungen zu einer Kursänderung zu zwingen? Eine sich selbst tröstende Antwort ist, dass die Vision der Linken im Hinblick auf den Klimawandel kurzfristig nicht realisiert werden kann. Der Klimawandel ist ein langfristiges Projekt. Diese Erklärung ist leider kein Selbsttrost – sie ist eine Selbsttäuschung. Die Wahrheit ist, dass die Linke nicht weiß, was sie mit dem Klimawandel erreichen will.

Dies lässt sich veranschaulichen in Bezug auf eine bestimmte Dimenson dieses Problems: Der Gegensatz zwischen dem Süden und dem Norden. Unter der Linken, vor allem im Westen, herrscht viel Verwirrung darüber, was die Menschen im Süden mit dem Klimawandel erreichen wollen. Für die Menschen des Südens ist der Klimawandel eine wichtige Frage, aber es ist nur eine unter mehreren, noch dringenderen Fragen, die sich um das tägliche Überleben drehen. Für einen ländlichen Haushalt in Uganda, zum Beispiel, der in den meisten Fällen von einer alternden Frau geführt wird, deren ältere Kinder auf der Suche nach Arbeit in die Stadt gegangen sind, ist die Wahl zwischen dem Schutz des Waldes und dem Abholzen der Bäume, um Brennholz für unmittelbare Bedürfnisse zu erhalten, ganz sicher kein Thema, zu dem sie Rat von einem Klimawandelaktivisten will.

Die Grundbedürfnisse des Überlebens – Zugang zu Nahrung, Wasser, Wohnung und billiger Energie – sind die tägliche, stündliche Sorge des Großteils der Menschen im Süden, einschließlich großer Länder wie Indien und China. Man könnte vielleicht anführen, dass es den Menschen überall in der Welt genauso geht – in den USA und Deutschland genauso wie in Ägypten oder Südafrika. Ja, aber es gibt enorme Unterschiede. Es ist eine Binsenwahrheit, dass die USA und Deutschland industrialisierte Wirtschaften sind, während Ägypten und Südafrika bestenfalls semi-industrialisiert sind.

Aber es gibt noch einen grundlegenderen Aspekt als die Wirtschaft. Der wesentliche Unterschied ist politisch. Die USA und Deutschland sind unabhängige Länder – die Menschen dort kämpfen gegen ihre eigenen Regierungen. Ägypten und Südafrika sind dagegen Neo-Kolonien – die Menschen hier kämpfen immer noch für die Befreiung aus den Klauen des Imperialismus. Sie kämpfen gegen ihre Regierungen (wie auf dem Tahrir-Platz), doch hinter ihren Regierungen steckt US-amerikanische, europäische und japanische – mit anderen Worten, imperialistische – Macht. Diese Tatsache wird von der Linken im Westen oder von ihren unterschiedlichen Ausprägungen in Afrika nie ganz verstanden.

Ein klareres Denken in dieser Sache ist ironischerweise infolge der kürzlichen Ereignisse in Europa im Zuge der Finanz- bzw. Wirtschaftskrise entstanden. Die Menschen in Griechenland sind auf die Straße gegangen, um gegen die Sparpolitik ihrer Regierung zu kämpfen, und dadurch, durch Praxis, stellen sie fest, dass sie gegen viel größere Kräfte kämpfen, verkörpert in der Europäischen Zentralbank, der EU-Bürokratie und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Menschen in Afrika erleben seit Jahrzehnten das Gleiche durch die ‚strukturellen Anpassungsprogramme’ und Sparmaßnahmen, die vom IWF und den sogenannten ‚Geldgeber’-Krediten – die beschönigend ‚Entwicklungshilfe’ genannt werden – verhängt wurden. Tatsächlich wird Afrika vom imperialistischen Kapital seit seiner Aufteilung von europäischen Kolonisatoren nach der fatalen Berliner Konferenz von 1884 abgezockt. Die Befreiung vom Imperium überragt in Afrika alle anderen Themen. Den Klimawandel als ein separates Thema zu sehen, was Klimawandelaktivisten oft tun, ist gefährlich kurzsichtig.

Die linken afrikanischen Aktivisten, die mit der Linken in den imperialistischen Zentren beim Klimawandel gemeinsame Sache machen, sollten das größere Ganze im Auge behalten. Ein einfacher Grundsatz lautet ‚Erkenne dich selbst’, doch unter ihm verborgen liegt eine tiefe Identitätskrise ‚der Linken’. Die Linke in Afrika muss wissen, woher sie kommt und wohin sie gehen muss.


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