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Kolonialkrieg gegen Libyen

Ein Kom­mentar von Stella Cal­loni | Über­set­zung: André Scheer– jun­ge­Welt vom 25.08.11 |

Die Per­ver­sion der US-​amerikanischen und euro­päi­schen Nach­rich­ten­agen­turen und ihrer Unter­ge­benen welt­weit, die Ereig­nisse in Libyen als »Bür­ger­krieg« zu bezeichnen, belegt, wie aus einer kolo­nialen Inter­ven­tion gegen ein Land, das sich die USA und ihre Partner aus diversen Gründen aneignen wollen, eine innere »Rebel­lion« gemacht wurde, die »huma­nitär« unter­stützt werden mußte.

Die Wahr­heit ist, daß das liby­sche Volk seit Mitte März die unge­zü­gelten Bom­ben­an­griffe der NATO gegen ein Land mit sechs Mil­lionen Ein­woh­nern, von dem ein Groß­teil Wüste ist, ertragen muß. Die Bom­bar­die­rungen haben im ganzen Land Tod und Zer­stö­rung ver­ur­sacht, um den Söld­nern den Weg zu ebnen, die von Anfang an Motor der angeb­li­chen »Rebel­lion« des Volkes gegen Muammar Ghad­dafi waren.

Es gibt weder ein Bild von dieser »Volks«-Rebellion noch von den angeb­li­chen »Bom­ben­an­griffen Ghad­dafis auf die Zivil­be­völ­ke­rung«, der »Ent­schul­di­gung«, mit der sie die bru­tale Inter­ven­tion inmitten des 21. Jahr­hun­derts gerecht­fer­tigt haben. Inzwi­schen wird diese Zivil­be­völ­ke­rung von ihren »Beschüt­zern« der NATO mas­sa­kriert und ihre Heime, Schulen, Ver­sor­gungs­zen­tren, medi­zi­ni­schen Labo­ra­to­rien, Uni­ver­si­täten, Kran­ken­häuser zer­stört, wäh­rend das Gebiet mit abge­rei­chertem Uran übersät wird, was für die Zukunft eine mensch­liche und ökolo­gi­sche Kata­strophe bedeutet.

Die von den Ver­einten Nationen am 17. März dieses Jahres ver­ab­schie­dete Reso­lu­tion 1973, angeb­lich, um eine Luft­blo­ckade über Libyen zu instal­lieren, hatte als ein­ziges Ziel, die Regie­rung dieses sou­ve­ränen Landes daran zu hin­dern, sich zu ver­tei­digen. Diese Reso­lu­tion wurde ange­nommen ohne anzu­hören, was die direkten Beob­achter zu sagen hatten.

Sie sorgten so dafür, daß Libyen keine Luft­ver­tei­di­gung hatte. Und man kann es als ihre mora­li­sche Nie­der­lage bewerten, daß dieses Land für fast sechs Monate den Bom­ben­an­griffen Wider­stand geleistet hat und so beweisen konnte, daß die angeb­li­chen »Rebellen« ohne die NATO nicht exis­tieren würden.

Um einen Ein­druck vom Ausmaß der Wahr­heit zu bekommen, die die Medien ver­schweigen, reicht es, sich ein Foto anzu­sehen, daß in den ver­gan­genen Stunden kur­sierte und von einigen Medien ver­öf­fent­licht wurde. Es zeigt angeb­liche »liby­sche Oppo­si­tio­nelle«, deren Erschei­nung, Klei­dung und Bewaff­nung sie zu den typi­schen Söld­nern macht, die die Mächte in diese Region gebracht haben.
Um ihre Inter­ven­tion beginnen und durch­führen zu können, benutzten die USA und ihre Ver­bün­deten die Mas­sen­me­dien in aller Welt, die in Wahr­heit unter ihrer mili­tä­ri­schen und Sicher­heits­kon­trolle stehen.

In diesem Fall konnten sie auch auf die inter­es­sierte oder des­in­ter­es­sierte, aber das­selbe Ziel erfül­lende Mit­ar­beit einiger als fort­schritt­lich gel­tender Jour­na­listen und Intel­lek­tu­ellen rechnen, die Kom­plizen dieser Inter­ven­tion und des Netzes aus Lügen zu ihrer Recht­fer­ti­gung waren.

Stella Cal­loni

Unter dem Code­namen Ope­ra­tion Condor ope­rierten in den 70er und 80er Jahren die Sicher­heits­dienste von sechs latein­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern — Argen­ti­nien, Chile, Para­guay, Uru­guay, Boli­vien und Bra­si­lien mit dem Ziel, linke poli­ti­sche und oppo­si­tio­nelle Kräfte welt­weit zu ver­folgen. Die bekannte argen­ti­ni­sche Jour­na­listin Stella Cal­loni hat jah­re­lang minu­tiös recher­chiert, wer, wann und wo die Todes­schwa­dronen das Ver­schwin­den­lassen und die Ermor­dung von Oppo­si­tio­nellen orga­ni­sierten. Ope­ra­tion Condor Lateinamerika im Griff der Todesschwadronen

Um sich recht­fer­tigen zu können warten diese jetzt darauf, daß die NATO gewinnt und die Geschichte der Sieger über die von der liby­schen Regie­rung began­genen »schreck­li­chen Men­schen­rechts­ver­let­zungen« erzählt, um zu ver­de­cken, was die Söldner und Inva­si­ons­truppen machen. Wie sie es in Afgha­nistan, im Irak oder viel früher getan haben.

Haben sie so schnell die nica­ra­gua­ni­schen »Con­tras« ver­gessen, als sie von den US-​Stützpunkten in Hon­duras aus das san­di­nis­ti­sche Nica­ragua angriffen, Dörfer zer­störten, töteten, fol­terten und Frauen und Mäd­chen ver­ge­wal­tigten? Ronald Reagan nannte sie damals »die Freiheitskämpfer«.

Von der CIA und ihren Ver­bün­deten geführte Söld­ner­gruppen »Rebellen« zu nennen bedeutet, es an Respekt für die wirk­li­chen Rebellen fehlen zu lassen, die in aller Welt für ihre Befreiung kämpfen.

Das Volk und die Regie­rung Libyens hatten nicht nur das Recht, son­dern die Pflicht, sich zu ver­tei­digen. Jedes Land der Welt, das aus dem Aus­land ange­griffen wird, muß dies tun.

Stella Cal­loni ist eine bekannte Jour­na­listin und Buch­au­torin in Argen­ti­nien. Ihr Kom­mentar wurde am Dienstag abend (Orts­zeit) von der staat­li­chen argen­ti­ni­schen Nach­rich­ten­agentur Telam veröffentlicht.

 

 

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