Reflexionen von Fidel »

DAS IMPERIUM VON INNEN (ZWEITER TEIL)

In der gestrigen Reflexion erschien ein Schlüsselabsatz des Buches von Woodward: ?Ein wichtiges Geheimnis, das niemals in den Medien oder sonst irgendwo berichtet worden war, bestand in der Existenz einer verdeckten Armee von 3.000 Mann in Afghanistan, deren Zielstellung es war, die Talibans zu töten bzw. zu ergreifen, und gelegentlich in die Stammesgebiete vorzudringen, um sie zu befrieden und Unterstützung zu erlangen.” Diese  von der  CIA gebildete und manipulierte Armee  wurde als ?Special Force” ausgebildet, trainiert und organisiert und  auf der Grundlage  sozialer, antireligiösen und antipatriotischen Voraussetzungen und von Stammesmerkmalen zusammengesetzt; ihre Mission ist die Verfolgung und Ermordung der Taliban-Partisanen und anderer Afghanen, die als extreme Moslems gelten.  Sie haben  absolut nichts zu tun mit  Al Qaeda oder Bin Laden; ein Saudi, der  von der CIA rekrutiert und bezahlt worden ist, um gegen die Sowjets zu kämpfen als ihre Truppen Afghanistan besetzten.  Als der Vizepräsident Biden anfangs 2009 nach Kabul fuhr,  antwortet David McKiernan, Oberbefehlshaber  der US-Truppen in Afghanistan auf seine Frage nach Al Qaeda: ?er habe in den zwei Jahren nicht einen einzigen Araber in der Gegend gesehen.”  Trotz der relativ kurzen und vorübergehenden  Bedeutung, die seitens der wichtigsten internationalen Medien dem Buch ?Obama´s wars” verliehen worden ist, haben sie diese  enthüllende Nachricht doch  nicht  gebracht.

Die Regierung der  Vereinigten Staaten stand vor einem unlösbaren Problem. Bei einer der letzten Versammlungen des Nationalen Sicherheitsrates während der Bush-Regierung wurde ein Bericht gebilligt, wo Folgendes versichert wurde: ?die USA würden sich in Afghanistan nicht länger halten können, solange drei große Probleme nicht gelöst werden: die Regierbarkeit vervollkommnen, die Korruption verringern und  die Beseitigung der Sanktuarien der Talibans  …”

Man könnte  hinzufügen, dass das Problem viel  ersnter  ist, wenn man die eingegangenen  politischen und militärischen Verpflichtungen der USA mit Pakistan berücksichtigt;   ein Land, das über  Atomwaffen verfügt und dessen Stabilität inmitten seines angespannten Gleichgewichts ethnischen Charakters von dem abenteuerlichen Bush-Krieg in Afghanistan beeinträchtigt worden war. Hunderte von Kilometern Gebirgsgrenze teilen Pakistan und Afghanistan, ein Gebiet mit Bevölkerungsgruppen der gleichen Herkunft, und jetzt werden diese durch unbemannte Flugzeuge angegriffen und massakriert. Die NATO-Truppen, deren Moral von Tag zu Tag geringer wird,  werden diesen Krieg nicht gewinnen können.

Ohne große Mengen an Treibstoff,  Lebensmitteln und Munition kann  keine Armee vorwärts kommen. Der eigene Kampf der Afghanen und Pakistaner, auf der einen oder anderen Seite der Grenze, hat den schwachen Punkt  der  hochmodernisierten Truppen Europas und  der USA bloß gestellt.  Die langen Versorgungsrouten werden  zu Friedhöfen der für diese Tätigkeit bestimmten  großen LKWs und Tankfahrzeuge. Die  unbemannten Flugzeuge, die modernsten Kommunikationsmittel, die hochmodernen konventionellen, funkeletronischen  Waffen und sogar die Atomwaffen sind überflüssig.

Jedoch ist das Problem viel schlimmer als  diese Zeilen ausdrücken.

Wir wollen jedoch die Zusammenfassung des spektakulären Buches von Woodward fortsetzen.

?KAPITEL 8

Jack Keane, General a.D., sehr eng mit Hillary Clinton verbunden, hat sie gewarnt, dass die in Afghanistan verfolgte Strategie falsch sei, dass die hohe Opferzahl die Rebellion nicht beendet würde, dass das die gegenteilige Auswirkung habe, und die einzige Lösung eine intensive Offensive gegen die Insurgenten sei, um die Afghaner zu schützen. McKiernan hat nicht mit den Gouverneuren der Provinzen zusammengearbeitet. Keane hat ihr mitgeteilt, dass man zu viel den antiterroristischen Kampf führe und dass die Strategie gegen die Aufständischen nicht ebenso laufe.

Keane hat ihr vorgeschlagen, McKiernan durch Generalleutnant Lloyd Austin III zu ersetzen, der zweite US-Oberbefehlshaber im Irak; und hat auch McChrystal vorgeschlagen, wobei er hinzufügte, dass dieser ohne Zweifel der beste Kandidat sei.

McChrystal hatte gute antiterroristische Kampagnen im Irak organisiert, aber die taktischen Erfolge wurden nicht zu strategischen Siegen. Deshalb war der Kampf gegen die Aufständischen so wichtig.

KAPITEL 9

Während der Anhörung zur Bestätigung von Leon Panetta als CIA-Direktor vor dem Geheimdienstausschuss des Senats hat dieser behauptet, dass die Agentur die vermutlichen Terroristen nicht mehr in ein anderes Land zum Foltern schicken würde, da es gemäß den Dienstanweisungen des neuen Präsidenten verboten ist. Er erklärte, dass er vermute, dass die CIA Personen in andere Länder schickt, damit sie dort mit solchen Techniken verhört werden, die gegen ?unsere Normen verstoßen’.  

Während der Fernsehübertragung hat Hayden ihn beobachtet und sich verärgert gefragt, ob Panetta das im vorangegangenen Monat stattgefundene Gespräch mit ihm ignoriert hatte. Hayden hat sich mit Jeff Smith, ehemaliger Generalberater der CIA, in Verbindung gesetzt, der beim Übergang von Hayden zu Panetta behilflich  war und ihm wie folgt bedroht: ?Er nimmt morgen zurück, was er öffentlich erklärt hat, oder wir werden eine Szene sehen, wo der jetzige Direktor der CIA dem zukünftigen Direktor der CIA sagt, dass er überhaupt nicht weiß, worüber er redet’. Hayden sagte, dass er das öffentlich erklären würde und dass das für niemandem günstig wäre. Am folgenden Tag hat Senator Kit Bond, aus Missouri und republikanischer Leiter des Geheimdienstausschusses, Panetta gefragt, ob er seine Erklärungen vom Vortag zurücknimmt, und Panetta sagte ja.

Hayden hat sich später mit Panetta getroffen und ihm gesagt, dass er seine Schriften gelesen habe, wo er geschrieben hat, dass die Bush-Regierung die beste Geheimdienstinformation ausgewählt habe, um vorzubringen, dass es im Irak Massenvernichtungswaffen gibt. Panetta hatte die von Rumsfeld eingerichtete Spezialeinheit des Pentagons dessen beschuldigt. Panetta antwortete, dass es nicht wahr sei, und ein Fehler von ihnen gewesen sei und akzeptierte, dass in diesem Fall der demnächst von ihm zu leitenden Agentur ein katastrophaler Geheimdienst-Irrtum unterlaufen ist.

Am 13. Februar traf sich der Präsident nochmals mit dem Nationalen Sicherheitsrat, um über die vier Optionen zum Aufmarsch der Truppen in Afghanistan zu debattieren.

1. Erst nach der Festlegung einer Strategie eine Entscheidung treffen;

2.  Unverzüglicher Versand von 17.000 Mann;

3.  17.000 Mann senden, aber in zwei Kontingenten;

4.  27.000 Mann senden, womit dem Antrag des Generals McKiernan nachgekommen würde.

Clinton, Gates, Mullen und Petraeus haben den unverzüglichen Versand der 17.000 Mann unterstützt. Jones hatte auch dasselbe empfohlen. Richard Holbrooke hat in einer Sicherheitsvideoaufnahme darauf hingewiesen, dass 44 Jahre vorher Präsident Johnson im Fall von Vietnam dasselbe mit seinen Beratern diskutiert hatte. ?Man darf die Geschichte nicht vergessen’, fügte er hinzu. Vietnam zeigte uns, dass in einer Situation der Ausweglosigkeit die Guerillatruppen gewinnen, und deswegen unterstützte er den Versand von 17.000 Mann. Obama hat schließlich dem Pentagon mitgeteilt, dass er den Versand von 17.000 Mann entschieden hat.

KAPITEL 10

Das Ziel war klar für die Obama Regierung: Al Qaeda und deren extremistische Verbündete zu zerschlagen und endgültig zu besiegen, sowie deren Hilfsstrukturen und Sanktuarien in Pakistan, und ihre Rückkehr nach Pakistan oder Afghanistan zu verhindern. Jones, Gates und Mullen fragten sich, ob sie den Pakistanern vertrauen könnten. Biden schlug vor, die antiterroristischen Aktionen zu verstärken und sich auf Al Qaeda in Pakistan zu konzentrieren. Obama fragte, ob der Versand von 17.000 Mann und später 4.000 vorteilhaft sei und man bejahte ihm das Obama fragte, wie viel diese Operation kosten würde und die Antwort war, dass man es nicht wisse, das dies nur eine Studie sei und dass man das Budget noch nicht berechnet habe, dass aber die Kosten, um einen US-Soldaten in Afghanistan zu haben, einschließlich der Bezahlungen als Kriegsveteran, der Krankenversicherung, der Kosten zur Betreuung seiner Familienangehörigen, seiner Ernährung und seiner Bewaffnung ungefähr 25.000 US-Dollar jährlich betragen.  Die Kosten eines afghanischen Soldaten vor Ort seien ungefähr 12.000 US-Dollar. Später hat Obama bestätigt, dass Pakistan das Zentrum jeglicher neuen Strategie sein wird.

Bei einer Beratung mit dem Nationalen Sicherheitsrat sagte Obama, dass er mindestens zwei Jahre lang eine Volksunterstützung für seine Strategie erwarte. Biden sagte, dass die Würfel gefallen seien, obwohl er bemerkte, dass er  diese Ansicht nicht teilte, aber trotzdem die Strategie des Präsidenten unterstützen würde.

KAPITEL 11

Petraeus zeigte sich besorgt.  Er machte sich Sorgen darum, Opfer seiner vorigen Erfolge im Irak zu werden. Eine Aufstandsbekämpfung war vielleicht nicht die korrekte Strategie in Afghanistan, aber Petraeus hatte einer Expertengruppe im Bereich geheimdienstliche Operationen und Aktivitäten, welche einer anderen Meinung waren, die Aufgabe gegeben, das Thema zu untersuchen. Anscheinend hatte der Präsident ihre Argumente für eine Aufstandsbekämpfungsoperation nicht akzeptiert. Der Präsident hat in einer Rede seine Strategie bekannt gegeben, Al Qaeda zu zerschlagen und zu besiegen. Ein Leitartikel  der Tageszeitung The Washington Post hat den Plan mit folgender Schlagzeile gelobt: ,Der Preis des Realismus’.  Die Rede hat einige überrascht. Der Präsident selbst hatte einige Veränderungen am Text vorgenommen.   Obama hatte sich nicht vollkommen zur Entsendung von allen von der Armee verlangten Truppen verpflichtet.  Obama hat gesagt, dass er diese Frage nach den Wahlen in Afghanistan erneut auswerten würde.

Dem Verteidigungsminister Gates schien die Entscheidung gelegen: Zwei Tage später hat er erklärt, dass er es nicht für nötig halte, weitere Truppen zu verlangen oder den Präsidenten darum zu ersuchen, sie zu bewilligen, bis nicht sichtbar würde, wie sie ihre Rolle erfüllen.

Der Präsident von Pakistan traf sich mit Obama in seinem Büro. Obama hat ihm gesagt, dass er Pakistan  nicht gegen Indien  bewaffnen wolle. Er hat anerkannt, dass sie in Swat vorgerückt waren, jedoch hatte der Waffenstillstand verursacht, dass die Extremisten die Legitimität der pakistanischen Regierung untergraben haben und dass die Regierung so den Eindruck vermittelt, als ob niemand sein Amt ausüben würde. Obama hat anerkannt, dass Pakistan nun entschlossener handele, was schon wegen seinem Vorgehen in Swat eindeutig geworden war und weil es zugelassen hat, dass die CIA im vorangegangenen Monat im Durchschnitt alle drei Tage einen Angriff mit unbemannten Flugzeugen ausführen konnte. Die Pakistaner waren mit 15 000 Mann eine der bis jetzt größten Operationen gegen die Taliban angegangen.

Der Befehlshaber des Gemeinsamen Generalstabs  merkte, dass die Lösung  der afghanischen Frage direkt vor allen Augen war, sie streifte auf den Fluren des Pentagons herum.  McChrystal war schon eine Legende. Er hatte mehr als jemand anders an der Lösung von Problemen gearbeitet, ohne sich zu beschweren. Er führte alle Befehle genauestens aus.  Schließlich hat Gates bekannt gegeben, dass McChrystal der neue Kommandeur der Truppen in Afghanistan sein würde. Er hat gesagt: ,Unsere Mission dort bedarf neuer Ideen und neuer Betrachtungsweisen seitens unserer militärischen Führungskräfte.’ Nachher hat Obama ausgedrückt, dass er mit dieser Entscheidung einverstanden gewesen sei, weil er Gates und Mullens Meinungen vertraue, dass er aber keine Gelegenheit gehabt hatte, persönlich mit ihm zu sprechen.

Am 26. Mai 2009 ist im Bericht an den Präsidenten einer der empfindlichsten Berichte über tiefgründigen Geheimdienst aufgetaucht. Sein Titel war folgender: Die Al Qaeda-Rekruten in Nordamerika könnten die Ziele und Taktiken in den Vereinigten Staaten und in Kanada ändern. Laut dem Bericht, trainierten etwa 20 Al Qaeda-Anhänger mit US-amerikanischen, kanadischen oder europäischen Pässen in den Sanktuarien von Pakistan, um in ihre Heimatländer zurückzukehren und hochprofilige terroristische Handlungen  auszuüben. Zu ihnen gehörten ein halbes Dutzend aus dem Vereinigten Königreich, mehrere Kanadier, einige Deutsche und drei US-Amerikaner. Ihre Namen waren nicht bekannt. Dennis Blair dachte, dass die Berichte alarmierend genug und glaubhaft wären, um den Präsidenten darüber in Kenntnis zu setzen. Aber Rahm Emmanuel war damit nicht einverstanden. Blair hat als Geheimdienstberater des Präsidenten geantwortet, dass er ernsthaft besorgt sei und Emmanuel hat ihn  beschuldigt zu versuchen, ihn und den Präsidenten dafür verantwortlich zu machen.

Als Blair das Weiße Haus verlassen hat, war er überzeugt, dass beide auf verschiedenen Planeten hinsichtlich dieses Themas lebten. Er sah jedes Mal mehr einen Defekt in der Regierung.

KAPITEL 12

Der General Jones pflegte selber nach Afghanistan zu reisen, um seine eigenen Einschätzungen vorzunehmen. Er war der Meinung, dass die Vereinigten Staaten diesen Krieg nicht verlieren dürften, weil die Leute sagen würden, dass die Terroristen gewonnen hätten, und so würde man diese Art Aktionen in Afrika, in Südamerika und an anderen Orten sehen. Organisationen wie die NATO, die Europäische Union und die Vereinten Nationen könnten auf den Müllabladeplatz der Geschichte geraten.

Jones besucht die verwundeten Soldaten, kommt mit den Obersten zusammen und führt ein Gespräch mit McChrystal.  McChrystal gesteht ihm, dass Afghanistan in einer schwierigeren Lage sei als er erwartet hatte. Er hat darauf hingewiesen, dass es übermäßig viele Gründe gäbe, um sich Sorgen zu machen und dass die Lage, wenn sie nicht bald umgekehrt würde, irreversibel werden würde. Jones hat darum gebeten, ihm die Probleme aufzuzählen und McChrystal hat begonnen, eine ganze Litanei von ihnen vorzubringen: die Anzahl von Talibanen im Lande sei viel höher, als man dachte (25. 000).  Jones hat erläutert, dass das Ergebnis des von Pakistan mit seinen Volkstämmen unterzeichneten Vertrages sei,  denn dort könnten die Taliban ohne Störungen trainiert werden.  Die Anzahl der Taliban-Angriffe erreichte fast 550 wöchentlich und in den letzten Monaten hatte sich das fast verdoppelt. Im Unterschied zu den acht Toten des vorigen Jahres töteten die Bomben am Straßenrand jeden Monat etwa 50 Mann der Koalitionstruppen.

Jones bestand darauf, dass die neue Strategie drei Etappen habe:

1.- Die Sicherheit;

2.- Die wirtschaftliche Entwicklung und den Wiederaufbau;

3.- Die Regierbarkeit durch die Afghanen unter Geltung des Gesetzes.

Jones bestand darauf, dass der Krieg nicht nur von der Armee gewonnen würde, dass während des nächsten Jahres der Teil der Strategie, der zu funktionieren beginnen sollte, die wirtschaftliche Entwicklung sei, und dass in dem Fall, wenn man das nicht gut tun würde, es nicht genügend Truppen auf der Welt geben würde,  um den Sieg zu erreichen. Jones hat aufgeklärt, dass dies eine neue Epoche sei, und dass Obama den Armeekommandeuren nicht alle von ihnen verlangte Kräfte geben würde, wie es Bush während des Kriegs im Irak zu tun pflegte. Jones hat hinzugefügt, dass der Präsident wisse, dass er auf des Messers Schneide ginge, was nicht nur bedeute, dass es schwierige und gefährliche Zeiten seien, sondern auch, dass die Lage sich in die eine oder andere Richtung entwickeln könne.

In der Provinz Helmand hat Jones erklärt, dass Obamas Strategie die Verringerung der Beteiligung und der Verpflichtung der Vereinigten Staaten bezwecke, dass er nicht meine, dass der Krieg in Afghanistan  allein der Krieg der Vereinigten Staaten sein sollte, dass es aber einen Trend, ihn zu amerikanisieren, gegeben habe.

Nach seiner Rückkehr teilte Jones Obama mit, dass die Lage bestürzend sei; dass das, was ihm in den letzten Monaten gesagt wurde, mit dem, was General McChrystal zu konfrontieren habe, nichts zu tun habe. Obama fragt ihn schließlich, wie viele Truppen man brauche und Jones informierte ihn, dass es noch keine endgültige Zahl gebe.  Er sei der Meinung, dass es nötig sei, die zwei ersten Etappen der Strategie zu vervollständigen ? wirtschaftliche Entwicklung und Regierbarkeit ?. Sonst würde Afghanistan einfach jegliche zusätzliche Anzahl von Truppen schlucken.

Im Pentagon war die Reaktion ganz anders. Jones wurde beschuldigt, die Anzahl der Truppen einschränken zu wollen.  Dieser brachte vor, dass es nicht gerecht sei, dass der Präsident jene Entscheidung getroffen habe, die er im März treffen musste, und dass er, bevor die  21.000 Mann dort vervollständig seien, entscheide, dass die Lage dort so schlimm sei, dass man 40.000 bis 80.000 Mann zusätzlich brauche.

Zwischen dem Weißen Haus und dem Pentagon existierte eine immer größere Kluft, und dies geschah knapp vier Monate nachdem der Präsident seine neue Strategie bekannt gegeben hatte.

KAPITEL 13

Einige Beamte der US-amerikanischen Regierung beschrieben die Regierung Obamas indem sie die afghanische Terminologie verwendeten und sagten, die Präsidentschaft sei von ?Stämmen” bevölkert, was ihre Spaltungen widerspiegelte. Hyllarys Stamm wohne im State Department; der Stamm von Chicago besetze die Büros von Axelrod und Emmanuel; der Stamm der Präsidentschaftskampagne besetze den Nationalen Sicherheitsrat, welcher vom Kabinettschef Mark Lippert und vom Direktor für strategischen Kommunikationen, Denis McDonough geleitet sei. Diese Gruppe nannten sie die ?Aufständischen’.

Die Niederlage der Taliban forderte mehr Truppen, Geld und Zeit als ihre Zerlegung. Die Niederlage bedeutete eine bedingungslose Kapitulation, eine totale Kapitulation; den Sieg, das Gewinnen im weitesten Sinne des Wortes, d.h. die Taliban völlig zu zerstören.

Richard Holbrooke zeigte sich pessimistisch bezüglich der Wahlen vom 20. August in Afghanistan und erklärte: ?Wenn es 10 mögliche Ergebnisse in Afghanistan gäbe, dann sind 9 von ihnen schlecht. Alle schwanken zwischen dem Bürgerkrieg und der Regellosigkeit.’

Sobald die Wahllokale am 20. August geschlossen wurden, gab es Berichte über Betrug an den Wahlurnen. Aus Sicherheitsgründe verließen viele der Beamten der Vereinten Nationen und des State Department nicht ihre Wohnhäuser, um die Wahllokale zu besuchen.

Am Folgetag der Wahlen hatten Holbrooke und der US-amerikanische Botschafter eine Zusammenkunft mit Karzai und fragten ihn, was er tun würde, wenn es eine zweite Runde gäbe. Karzai sagte, er sei wieder gewählt worden und es werde keine zweite Runde geben.

Nach der Zusammenkunft rief Karzai das Operationszentrum des State Department an und bat darum, mit Obama oder Hillary zu sprechen. Der US-amerikanische Botschafter empfahl dem Präsidenten, den Anruf nicht anzunehmen, denn Karzai sei in die Defensive gegangen, indem er sagte, dass eine zweite Runde unmöglich sei. Obama war damit einverstanden, nicht mit ihm zu sprechen.

Die Geheimdienstberichte beschrieben Karzai als eine in immer höherem Grade wahnsinnige und paranoische Person. Karzai sagte zu ihnen: ?Sie sind gegen mich. Es ist ein Komplott zwischen den US-Amerikanern und den Briten.’

Im August wurde eine Gruppe gebildet, um die Mitglieder der strategischen Gruppe von General McChrystal, die gerade aus Afghanistan zurückgekommen waren, zu interviewen und herauszufinden, was vor Ort gerade geschieht, wie der Krieg läuft, was funktioniert und was nicht. McChrystal übergab der Gruppe drei Fragen, die sie als Richtlinien untersuchen sollten: Ist es möglich, die Mission zu erfüllen? Und wenn ja, was muss geändert werden, um die Mission zu erfüllen? Sind mehr Ressourcen nötig, um die Mission zu erfüllen?

McChrystal bat die Gruppe darum, pragmatisch zu sein und sich auf jene Sachen zu konzentrieren, die wirklich funktionierten.

Die Gruppe war zu dem Schluss gekommen, dass die Armee das afghanische Volk relativ wenig verstand. Sie konnte nicht begreifen, wie sehr die von den Taliban geführten Einschüchterungskampagnen die Bevölkerung schädigten. Die Sammlung von Geheimdienstinformation war eine Katastrophe. Die Gruppe fand heraus, dass 70 Prozent der Geheimdienstanforderungen auf den Feind hinzielte. Einige Gruppenmitglieder dachten, dass innerhalb von ein oder zwei Jahren der Krieg völlig amerikanisiert sein wird. Die US-Amerikaner bevorzugten, dass die Verbündeten der NATO Geld und Berater für die afghanischen Sicherheitskräfte einbringen anstatt dass sie im ganzen Land herumstreichen und Luftunterstützung anfordern, um die verdächtig aussehenden Afghanen anzugreifen.

Die Gruppe hatte nur schlechte Nachrichten für McChrystal. Es könnte die beste Kampagne der Weltgeschichte gegen die Aufständischen geführt werden, und selbst so würde diese wegen der Schwäche und der Korruption innerhalb der afghanischen Regierung scheitern. McChrystal sah aus, als ob er von einem Zug überfahren worden wäre. Trotzdem bedankte er sich bei der Gruppe.

McChrystal teilte Gates mit, er brauche 40. 000 Mann mehr. Nach langen Diskussionen versprach ihm Gates, er werde ihm so viele Truppen geben, wie er könne, solange er könne. Und sagte zu ihm: ?Sie haben ein Kampffeld dort und ich habe ein Kampffeld hier.’

KAPITEL 14

Biden hatte fünf Stunden lang versucht, eine Alternative für McChrystal zu entwerfen, die er ?Antiterrorismus Plus’ genannt hat. Statt einer großen Menge Soldaten zu senden, war der Plan darauf konzentriert, was er als die echte Bedrohung ansah:  Al Qaeda. Diese Strategie betonte die Zerstörung der terroristischen Gruppe mittels der Ermordung oder der Ergreifung ihrer führenden Köpfe.  Biden dachte, dass es möglich sei, Al Qaeda zu überzeugen, nicht nach Afghanistan zurückzukehren, und so zu vermeiden, die kostspielige Mission zum Schutz des afghanischen Volkes in Angriff zu nehmen.

Biden dachte, dass Al Qaeda jenem Weg folgen würde, wo sie den geringsten Widerstand antreffen würde, und dass sie unter folgenden Voraussetzungen nicht zu ihren Herkunftsplätzen zurückkehren würden:

1.  Wenn die Vereinigten Staaten mindestens zwei Stützpunkte (Baram und Khandahar) halten, damit die Special Force überall im Land handeln können;  

2. Wenn die Vereinigten Staaten genug Soldaten haben, um den afghanischen Luftraum zu kontrollieren;

3.  Wenn die menschlichen Geheimdienstnetze in Afghanistan ihnen Informationen über die von den Spezialstreitkräften anzugreifenden Ziele geben;

4. Wenn die CIA-Elite, eine Streitkraft aus 3.000 Afghanen für antiterroristische Operationen, sich frei bewegen kann.  

Afghanistan müsste zu einer etwas feindlichere Umgebung für Al Qaeda werden als Pakistan, damit sie sich entscheiden, nicht zurückzukehren.

Obama brauchte jemand, der ihm eine Richtschnur ist. Er war nur vier Jahre lang im Senat gewesen und Biden 35.  Der Präsident dachte, dass die Militärs ihn nicht unter Druck setzen könnten, aber sie konnten einen unerfahrenen Präsident fertig machen.  Biden kam zu Obama, und dieser sagte zu ihm: ?Du bist derjenige, der diese Leute kennt. Du hast grünes Licht. Stelle sie unter Druck’.

Später hat Obama gestanden, dass er wollte, dass sein Vizepräsident ein  aggressiver Lästerer wäre, der genau sagt, was er denkt, und die schwierigsten Fragen stellt, weil er davon überzeugt war, dass dies die beste Art und Weise sei, dem Volk und den Truppen zu dienen, in dem man eine heftige Debatte über diese Themen von Leben oder Tod führt.

Obama hat eine kleine Gruppe der erfahrensten Mitglieder seines Nationalen Sicherheitsrates aufgerufen, den von McChrystal ausgearbeiteten vertraulichen Bericht von 66 Seiten zu analysieren, der zusammenfassend sagte, dass der Krieg möglicherweise in den nächsten 12 Monaten scheitern würde, wenn keine weiteren Truppen geschickt würden. Der Präsident fügte hinzu, dass die Optionen in diesem Fall nicht gut seien und erklärte, dass er die vom General oder anderen Personen vorgeschlagene Lösung nicht automatisch akzeptieren wird. ?Wir müssen das mit dem Geist, unserem eigenen Dünkel zu trotzen, in Angriff nehmen´.

Peter Lavoy, stellvertretender Analytik-Leiter des Direktorbüros der DNI, war der Meinung, dass Bin Laden und seine Organisation nach den Angriffen von unbemannten Flugzeugen Schläge erlitten hatten und belagert, aber nicht zunichte gemacht worden waren, und dass Al Qaeda zum Blutsauger der Taliban geworden ist.

Obama wollte wissen, ob es möglicht sei oder nicht, Al Qaeda zu besiegen und wie; ob es nötig sei, die Taliban zu zerstören, um Al Qaeda zu vernichten; was könnte man in den nächsten Jahren erreichen; welche Art der Präsenz braucht man in Afghanistan, um dort eine effiziente antiterroristische Plattform zu besitzen.

Was nicht gesagt wurde und alle wussten, war, dass ein Präsident einen Krieg nicht verlieren kann und auch nicht zeigen kann, dass er davor steht, ihn zu verlieren. Obama sagte, dass es nötig sein wird, fünf Jahre lang zu arbeiten, und schlug vor, andere Prioritäten des Landes zu berücksichtigen.”

Fidel Castro Ruz
11. Oktober 2010
18:00 Uhr

Deja un comentario

Tu dirección de correo electrónico no será publicada. Los campos necesarios están marcados *

*