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Solidarität mit Palästina

Von Knut Mellenthin

Tausende Ägypter haben am Freitag in Kairo gegen die Politik Israels protestiert. Schon seit dem bewaffneten Zwischenfall auf der Sinai-Halbinsel am Donnerstag voriger Woche hatten täglich mehrere hundert Menschen vor der Botschaft Tel Avivs in der ägyptischen Hauptstadt demonstriert. Im Anschluß an mehrere Anschläge hatten israelische Truppen bei der Verfolgungsjagd nach den Angreifern fünf ägyptische Soldaten getötet.

Die Regierung von Benjamin Netanjahu hat inzwischen ihr Bedauern über den Vorfall geäußert, aber eine ausdrückliche Entschuldigung vermieden. Viele Ägypter halten das für ungenügend und fordern ein Einfrieren der diplomatischen Beziehungen. Erst am Donnerstag dieser Woche hat Israel nach anfänglichem Weigern zugestimmt, zur Untersuchung des gesamten Zwischenfalls eine gemeinsame Kommission einzusetzen.

Die israelische Regierung hat darüber hinaus am Donnerstag angekündigt, daß sie der Verlegung weiterer ägyptischer Militäreinheiten ins Sinai-Gebiet zugestimmt habe. Diese Truppen sollen über Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge, aber nicht über Panzer verfügen. Der 1979 geschlossene Friedensvertrag zwischen beiden Staaten schreibt vor, daß Ägypten in einer breiten Zone an der Grenze zu Israel und zum Gazastreifen ausschließlich zivile Polizei stationieren darf.

Die jetzt erteilte israelische Genehmigung zur Verlegung von regulären Streitkräften in die entmilitarisierte Zone ist bereits die dritte seit Jahresbeginn. Bewaffnete Gruppen hatten auf der Sinai-Halbinsel in den vergangenen Monaten mindestens fünf Anschläge auf die Pipeline verübt, durch die Israel mit ägyptischem Erdgas versorgt wird. Am Donnerstag voriger Woche hatten rund zwanzig Angreifer, die offenbar vom Sinai aus über die Grenze gekommen waren, acht Israelis, darunter mehrere Soldaten, getötet.

Die israelische Regierung machte, noch bevor umfassende Erkenntnisse vorlagen, die Volkswiderstandskomitees im Gazastreifen für die Angriffe verantwortlich. Bei Luftangriffen starben der Vorsitzende dieser Organisation und drei Mitglieder ihres militärischen Flügels. Daraus entwickelte sich ein Wechsel von palästinensischen Raketen – die überwiegend in unbewohntem Gebiet landeten oder nur Sachschäden anrichteten – und israelischen Luftangriffen. Ihnen fielen innerhalb einer Woche 14 Palästinenser, darunter mindestens vier Zivilisten einschließlich eines zweijährigen Kindes, zum Opfer. Weitere 32 Palästinenser, unter ihnen acht Frauen und neun Kinder, wurden verletzt.

Inzwischen ist allerdings äußerst zweifelhaft, ob die Volkswiderstandskomiteees – die eine Beteiligung sofort bestritten hatten – überhaupt etwas mit den Anschlägen vom 18. August zu tun haben. Es gibt solide Hinweise, daß die Aktion von Ägyptern geplant und durchgeführt wurde.

Die Freitagsdemonstration in Kairo, deren Teilnehmerzahl bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt war, fand am internationalen Al-Quds-Tag statt. Al-Quds ist der arabische Name von Jerusalem. Der Tag soll die Solidarität mit dem Kampf der Palästinenser um ihre Rechte ausdrücken und wird seit 1979 alljährlich am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan begangen. Aus diesem Anlaß nahmen Hunderttausende Iraner in Teheran und im ganzen Land an Kundgebungen teil. Nach Berichten iranischer Medien wurde auch in Saudi-Arabien und Bahrain demonstriert.

(JungeWelt)

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