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	<title>Cubadebate (Deutsch) &#187; Bin Laden</title>
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		<title>Hintergrund. Antimuslimismus in den USA</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 18:02:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Cubadebate</dc:creator>
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		<description><![CDATA[US-Senator Joe Lieberman hält den im Juni vorgelegten Strategiebericht der Regierung der Vereinigten Staaten zur Terrorismusbekämpfung für »eine große Enttäuschung«. In einer Rede, die er am 1. September auf einer Veranstaltung des National Press Club hielt und die auf seiner Website zu finden ist, erläuterte der notorische Kriegstreiber aus Connecticut seine Kritik. Sein schwerwiegendster Einwand ist, daß »die Regierung es immer noch ablehnt, unseren Feind in diesem Krieg bei seinem richtigen Namen zu nennen: gewalttätiger islamistischer Extremismus. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h3><em><strong>Hintergrund. Antimuslimismus in den USA</strong></em></h3>
<p><strong>Von Knut Mellenthin</strong></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-2491" src="/files/2011/09/kill-bin-laden.jpg" alt="" width="300" height="250" />US-Senator Joe Lieberman hält den im Juni vorgelegten Strategiebericht  der Regierung der Vereinigten Staaten zur Terrorismusbekämpfung für  »eine große Enttäuschung«. In einer Rede, die er am 1. September auf  einer Veranstaltung des National Press Club hielt und die auf seiner  Website zu finden ist, erläuterte der notorische Kriegstreiber aus  Connecticut seine Kritik. Sein schwerwiegendster Einwand ist, daß »die  Regierung es immer noch ablehnt, unseren Feind in diesem Krieg bei  seinem richtigen Namen zu nennen: gewalttätiger islamistischer  Extremismus. Wir können Namen finden, die damit vergleichbar sind, aber  nicht den, den die Regierung immer noch zu verwenden pflegt, nämlich  ›gewalttätiger Extremismus‹. Es ist nicht bloß gewalttätiger  Extremismus. Es gibt viele Formen von gewalttätigem Extremismus. Es gibt  weißen rassistischen Extremismus, es gab eine Art Öko-Extremismus, es  gab Tierrechtler-Extremismus. Sie können die Reihe weiter fortsetzen. Es  gibt Skinhead-Extremismus, aber mit all denen befinden wir uns nicht in  einem globalen Krieg.« Und weiter: »Wir befinden uns in einem globalen  Krieg, der die Sicherheit unserer Heimat betrifft, mit islamistischen  Extremisten. Unseren Feind als gewalttätigen Extremismus zu bezeichnen,  ist so allgemein und unbestimmt, daß es letztlich keine Bedeutung hat.  Der andere Begriff, der manchmal gebraucht wird, ist Al-Qaida und ihre  Verbündeten. Nun, das ist besser, aber es ist immer noch zu eng. Das  konzentriert unsere Aufmerksamkeit auf Gruppen statt auf eine Ideologie,  gegen die wir in Wirklichkeit zu kämpfen haben.«</p>
<p>Liebermann vermutet, »daß die Weigerung der Regierung, ehrlich über den  Feind zu sprechen, auf ihrem Wunsch beruht, nichts zu tun, das der  Al-Qaida-Propaganda Vorschub leisten könnte, wir befänden uns in einem  ›Krieg‹ gegen den Islam. Aber das ist so offensichtlich eine Lüge, daß  wir es zurückweisen können und das auch getan haben. Ich glaube, wir  haben das wirksam getan. (…) Um diesen Kampf zu gewinnen, ist es  existentiell wichtig, zu verstehen, daß wir nicht nur eine Organisation,  Al-Qaida, bekämpfen, sondern es mit einer breiteren Ideologie zu tun  haben, die diesen Krieg entfacht hat, mit einer politisierten Ideologie,  ganz losgelöst von der Religion des Islam. Der Erfolg in diesem Krieg  kommt demzufolge nicht, wenn eine einzelne terroristische Gruppe oder  deren Ableger ausgeschaltet sind, sondern wenn ein breiterer  Zusammenhang von damit verbundenen Ideen abgewehrt und verworfen wird.  Die Abneigung, unseren Feind als gewalttätigen islamistischen  Extremismus zu identifizieren, macht es schwerer, wirkungsvoll für  diesen Krieg der Ideen zu mobilisieren.«</p>
<h3>»Auf allen Ebenen unterwandert«</h3>
<p>Lieberman gehört dem Senat schon seit 1989 an und ist damit eines seiner  dienstältesten Mitglieder. 2006 verließ er die Demokratische Partei,  als diese ihm eine Wiederaufstellung versagte, und schaffte anschließend  als Unabhängiger erneut den Einzug ins Oberhaus des Kongresses. Es ist  praktisch unmöglich, irgendeinen Krieg der USA zu finden, für den er  sich nicht mit voller Kraft engagiert hat. Seit etlichen Jahren drängt  er darauf, in die weltweiten Militäroperationen auch den Iran  einzubeziehen, der – wie er in seiner Rede vor dem Presseklub erneut  wiederholte – »die Nummer eins unter den Förderern des islamistischen  Terrorismus« sei. Zur Zeit ist Lieberman Vorsitzender des einflußreichen  Senatsausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten.</p>
<p>Die Aussage in der regierungsoffiziellen »National Strategy for  Counterterrorism«, auf die sich die Kritik des Senators im wesentlichen  bezieht, lautet: »Die Vereinigten Staaten verwenden bewußt das Wort  ›Krieg‹, um unsere unerbittliche Kampagne gegen Al-Qaida zu beschreiben.  Aber diese Regierung hat klargemacht, daß wir uns nicht in einem Krieg  mit der Taktik des Terrorismus oder der Religion des Islam befinden. Wir  sind im Krieg mit einer speziellen Organisation – Al-Qaida.« Indessen  wird diese Konkretisierung schon zwei Seiten später vollständig wieder  aufgehoben. Angesichts der Tatsache, daß die bloße Existenz des Phantoms  »Al-Qaida« immer marginaler, wenn nicht sogar unwahrscheinlich wird,  werden deren »Ableger« in den Vordergrund gerückt. Sie werden nicht nur  in Afghanistan und Pakistan verortet, sondern auch im Nahen Osten, im  Maghreb und der Sahel-Zone Nordwestafrikas, im postsowjetischen  Zentralasien und in Südost­asien. Die Zuordnung ist mittlerweile rein  willkürlich. Dazu heißt es in der »National Strategy for  Counterterrorism«: »Verbundenheit mit der Ideologie von Al-Qaida  erfordert nicht unbedingt einen Treueschwur auf die Organisation  Al-Qaida. Individuen, die mit Al-Qaida sympathisieren oder sie aktiv  unterstützen, können zur Gewalt inspiriert sein und eine fortdauernde  Gefahr darstellen, selbst wenn sie wenig oder gar keinen formalen  Kontakt zu Al-Qaida haben.«</p>
<p>In praktischer Hinsicht ist der Unterschied zu Liebermans Vorstellungen  nicht sehr bedeutend, so daß man seine Polemik auch als Haarspalterei  mißverstehen könnte. Der Senator wird aber seine Gründe haben, wenn er  die Worte »Terrorismus« und »islamistisch« unbedingt zu einer  unauflöslichen, permanent zu beschwörenden Einheit stilisieren will. Die  Behauptung, daß damit nicht automatisch auch Ressentiments gegen den  Islam und insbesondere gegen die in den USA lebenden etwa 2,7 bis drei  Millionen Muslime geschürt werden, ist bestenfalls töricht, eher wohl  scheinheilig und verlogen. Die Tätigkeit militant antimuslimischer  Gruppen in den USA legt von dieser Realität ebenso Zeugnis ab wie viele  Meinungsumfragen der vergangenen Jahre.</p>
<p>Ein großer, offenbar immer noch anwachsender Teil der US-amerikanischen  Bevölkerung sieht seine muslimischen Mitbürger als fünfte Kolonne genau  desselben Feindes, gegen den man seit dem 11. September 2001 weltweit  Krieg führt. Eine gar nicht so geringe Zahl vor allem weißer Amerikaner  bezieht in diese Verschwörung für die Unterwanderung der USA und die  Errichtung des Weltkalifats sogar Präsident Barack Obama ein. Brigitte  Gabriel, Gründerin und Sprecherin der mit angeblich 170000 Anhängern  wohl bedeutendsten antimuslimischen Organisation ACT! For America,  schrieb in ihrem Buch »They Must be Stopped: Why We Must Defeat Radical  Islam and How We Can Do it« (deutsch: »Sie müssen gestoppt werden: Warum  wir den radikalen Islam besiegen müssen und wie wir es können«): »Es  gilt noch nicht als politisch korrekt, von einem Religionskrieg zu  sprechen. Aber genau damit sind wir konfrontiert: Ein Religionskrieg,  den die gläubigen Muslime erklärt haben. (…) Es geht nicht um radikalen  Islam. Es geht darum, was der Islam in seinem Kern ist. (…) Amerika ist  auf allen Ebenen von Radikalen unterwandert, die Amerika Schaden zufügen  wollen. Sie haben den CIA, das FBI, das Pentagon und das  Außenministerium unterwandert.«</p>
<p>Zudem wird der »Krieg gegen den Terror« nicht nur als Folge des 11.  September interpretiert, sondern auch als Kettenglied einer permanenten  historischen Konfrontation, die mit der Entstehung und Ausbreitung des  Islam im siebenten Jahrhundert begann. Die Absicht zur Eroberung der  Weltherrschaft sei, behaupten die Vordenker des Antimuslimismus,  immanenter Bestandteil des Islam. Sie müsse daher von jedem wirklich  gläubigen Muslim unterstützt werden. Daß dies offensichtlich nicht der  Fall ist, wird damit begründet, daß im Islam Lüge und Täuschung  gegenüber »Ungläubigen« als legitim gelten. So brachte ein Kursleiter  des FBI seinen Schülern bei, daß gemäßigte und moderate Muslime als ganz  besonders verdächtig zu betrachten seien, da sie sich wahrscheinlich  verstellen. Der Fall wurde jüngst öffentlich bekannt, der Kurs immerhin  eingestellt. Aber auch aus anderen Berichten geht hervor, daß die  Schriften bekannter antimuslimischer Autoren bei FBI, CIA und anderen  Behörden als Schulungsmaterial verwendet werden.</p>
<p>Alles das ist nicht etwa ein ungewollter und nicht voraussehbarer  Kollateralschaden, sondern liegt in der Logik des Arguments: Wenn der  proklamierte Krieg sich letztlich nicht in erster Linie gegen  Organisationen und Menschen richtet, die für konkrete Taten und Pläne  verantwortlich gemacht werden, sondern gegen eine unmöglich genau zu  definierende und einzugrenzende »Ideologie«, haben Subjektivismus,  Willkür und als Folge Hysterie und Hexenjagden freie Bahn.</p>
<h3>Vierter Weltkrieg</h3>
<p>Das Thema, das Lieberman jetzt wieder aufgegriffen hat, tauchte schon  bald nach dem 11. September 2001 auf. Damals waren es vor allem  neokonservative Vordenker und Agitatoren, die explizit formulierten:  »Der Feind in diesem Krieg ist nicht der ›Terrorismus‹, sondern der  militante Islam.« So stand es am 20. November in einem programmatischen  Artikel des Wall Street Journal, den Eliot Cohen verfaßt hatte. Seine  Ansichten haben Gewicht: Er ist Professor und Direktor für Strategische  Studien an der Johns Hopkins University in Baltimore, war  Regierungsberater unter George W. Bush und hatte zuvor die Herausgabe  der offiziellen fünfbändigen Untersuchung der US-Luftwaffe über die  Ergebnisse des Bombenkriegs gegen Irak im Jahre 1991 verantwortlich  geleitet.</p>
<p>In seinem Artikel für das Wall Street Journal brachte Cohen erstmals den  Begriff »Vierter Weltkrieg« (World War IV) für die geplante weltweite  militärische Eskalation ins Spiel. Die Zahl vier ergab sich daraus, daß  der sogenannte Kalte Krieg, die mehrere Jahrzehnte dauernde  Ost-West-Konfrontation, als dritter Weltkrieg mitgerechnet wurde.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Theoretiker des »Vierten Weltkriegs« war damals  Norman Podhoretz, ein in den 1960er Jahren zum Propagandisten eines  aggressiven Imperialismus konvertierter ehemaliger Linker. In der  Februarausgabe 2002 der jahrelang von ihm geleiteten Zeitschrift  Commentary erläuterte er, »How to Win World War IV«, wie man den vierten  Weltkrieg gewinnt – und gegen wen er geführt werden muß. Noch über  Cohen hinausgehend vertrat Podhoretz die Vorstellung, daß der Feind in  diesem globalen Kampf nicht der Terrorismus schlechthin, sondern die  gesamte islamische Welt sei. Er untermauerte diese These mit  fragwürdigen Untersuchungsergebnissen, nach denen angeblich rund 70  Prozent der Ägypter, Syrer, Palästinenser und sogar der Kuwaitis Bin  Laden für einen arabischen Nationalhelden hielten.</p>
<p>Der neokonservative Autor Daniel Pipes, derzeit eine Leitfigur in den  aggressivsten Kreisen des antimuslimischen Lagers, griff im Epilog zu  seinem 2003 erschienenen Buch »Der militante Terrorismus erreicht  Amerika« Cohens Begriff des vierten Weltkriegs zustimmend auf,  definierte ihn aber in einem sehr viel weiter gehenden Sinn: »Der  Terrorismus ist, mit anderen Worten, nur eine einzelne Dimension eines  Krieges, der viele Fronten hat und vielfältige Formen annimmt. Gewalt  ist ein wichtiges Symptom des Problems, aber nicht das Problem selbst.  Andere Methoden können gewalttätige Handlungen von Einzelgängern,  Schmuggel, Aufruhr, rechtmäßige Straßendemonstrationen, Geldsammlungen,  Unterricht, Missionierung, Einschüchterung und sogar die Kandidatur für  Wahlämter einschließen. Diese Methoden ergänzen einander, sie machen die  Komplexheit und Reichweite des militanten Islam aus. Zum Schlachtfeld  gehören sowohl Länder mit muslimischer Mehrheit als auch Länder wie  Argentinien, wo der Islam nur eine geringfügige Präsenz hat.«</p>
<h3>Überall und für lange Zeit</h3>
<p>Mit der Parole der Neokonservativen vom weltweiten Krieg gegen den  »militanten Islam« verband sich von Anfang an die Idee, daß dieser Kampf  nicht nur geographisch unbegrenzt zu führen sei, sondern daß er auch  zeitlich unabsehbar lange dauern müsse. Das wurde mit Formulierungen wie  »länger als der erste und zweite Weltkrieg zusammen«, »mehrere  Jahrzehnte lang« oder auch »mehrere Generationen lang« umschrieben.  Diese strategische Zielsetzung ist schon jetzt weitgehend erreicht. Die  USA, oft im Bündnis mit anderen NATO-Staaten, führen Krieg in  Afghanistan und im Irak, sie greifen Ziele in Pakistan, im Jemen und in  Somalia mit bewaffneten Drohnen und Killerkommandos an, sie sind als  Ausbilder und Berater an Bürgerkriegen auf den Philippinen und in  zahlreichen Ländern Afrikas beteiligt. Und sie haben gemeinsam mit ihren  NATO-Partnern gerade eben Libyen in einen total destabilisierten  Zustand versetzt, der das Land auf den Weg Afghanistans und des Irak zu  bringen droht. Vergessen wir schließlich auch nicht die permanente  »Option«, den Iran anzugreifen, und die immer deutlicher vorgetragenen  Tendenzen zu einer Militärintervention in Syrien, die auch auf den  Libanon ausgeweitet werden könnte.</p>
<p>Es handelt sich bei diesen Schlachtfeldern des »Kriegs gegen den Terror«  ausschließlich um islamische Länder. Die inzwischen nach  Hunderttausenden zählenden Opfer dieses Krieges sind, so weit es sich  nicht einfach um sogenannte Zivilisten, also völlig Unbeteiligte  handelt, fast ausschließlich Menschen, die für örtlich eng begrenzte  Ziele kämpfen und keinerlei »Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten  Staaten« darstellen oder auch nur rein theoretisch darstellen könnten.</p>
<p>Der so ganz und gar nicht zu diesem militärischen Aufwand passende reale  Hintergrund ist, daß seit dem 11. September 2001 in den USA nicht mehr  als 30 Menschen bei Anschlägen ums Leben kamen, die vielleicht einem  islamistischen Hintergrund zugeordnet werden könnten, durchschnittlich  drei pro Jahr. 2010 war es nicht ein einziger. Zweifellos bleibt immer  ein Restrisiko größerer Anschläge, vor allem durch Einzelgänger  »unterhalb des Radars« des monströs ausgebauten Hochsicherheitsstaates.  Aber dem durch einen weltweiten Krieg begegnen zu wollen, ist so absurd  und aussichtslos, daß es nicht einmal als Vorwand ernst genommen werden  kann.</p>
<p>Grundsätzlich ist richtig, daß der Antimuslimismus keine Erscheinung  ist, die erst in den letzten Jahren entstanden ist. Es gab ihn schon vor  dem 11. September 2001, unter anderem besonders heftig in Zusammenhang  mit der sogenannten Ölkrise von 1973. Aber er hat im vergangenen  Jahrzehnt einen entscheidenden quantitativen und qualitativen Sprung  vollzogen. Das läßt sich unter anderem leicht an den Gründungsdaten der  einflußreichsten Gruppen, Organisationen und Internetseiten ablesen: Die  meisten liegen erst in der zweiten Hälfte dieser Dekade.</p>
<p>Der Antimuslimismus hat sich in dieser Zeit vom Ressentiment zur  kompletten Weltanschauung, zu einem verschwörungstheoretisch fundierten  Welterklärungsmodell entwickelt. Ein wesentlicher Faktor dabei ist, daß  der Antimuslimismus heute als innere Front einer tatsächlich  stattfindenden, global geführten militärischen Konfrontation, eines  »Clash of Civilizations«, erscheint und daraus seine vorgebliche  Legitimität bezieht. David Yerushalmi, eine herausragende Figur der  Haßszene, formulierte es in einem im März 2006 erschienenen Artikel so:  »Die muslimische Zivilisation befindet sich im Krieg mit der  jüdisch-christlichen Zivilisation. (…) Die Muslime, diejenigen, die dem  Islam, so wie wir ihn heute kennen, ergeben sind, sind unsere Feinde.«</p>
<p>Die Muslime erscheinen in diesem Weltbild nicht lediglich als unliebsame  Einwanderer, wie etwa Mexikaner oder anderer Lateinamerikaner, sondern  als fünfte Kolonne des äußeren Feindes. Sie mit allen verfügbaren  Mitteln zu bekämpfen und aus der mehr oder weniger multikulturellen  Gesellschaft der USA auszugrenzen, gilt als »patriotische« Pflicht.  Jeder Versuch von Politikern und Behörden, muslimische Bürger  respektvoll oder auch nur rechtlich korrekt zu behandeln, wird von den  Haßpropagandisten als feiger Opportunismus oder, schlimmer noch, als  verräterischer Ausverkauf des »wahren Amerika« an den Feind geschmäht.  Wer sich dabei allzu weit vorwagt, wird als »Terroristenfreund« und  Wegbereiter der »Islamisierung« Ziel einer hemmungslosen persönlichen  Diffamierungskampagne.</p>
<h3>Rechte Haßideologie</h3>
<p>Durch den Wechsel von Bush zu Obama hat sich die Lage eher noch  verschärft. Obama ist aufgrund seiner eigenen Herkunft bösartigen  verschwörungstheoretischen Angriffen ausgesetzt – und reagiert darauf  überwiegend defensiv. Die Washington Post wies am 6. September auf die  Tatsache hin, daß Obama in seiner bisherigen Amtszeit im Gegensatz zu  seinem Vorgänger noch nie eine einheimische Moschee betreten hat. Er  besuchte Moscheen im Ausland, in Ägypten, in Indonesien und in der  Türkei, aber nicht auf dem Boden der USA.</p>
<p>Dabei ist die Zahl der herausragenden Propagandisten des Antimuslimismus  in den USA bis jetzt immer noch überschaubar. Allzu offensichtlich  steht diese Haßideologie im Widerspruch zu den Werten, zu denen sich  dieser Staat in seiner Unabhängigkeitserklärung und seiner Verfassung  bekannt hat. Der Antimuslimismus ist auch absolut inkompatibel mit dem  Bild, daß die Mehrheit der US-Amerikaner von ihrem Land hat und das sie  auch nach außen darzustellen wünscht. Selbst unter den Neokonservativen,  die einige Jahre lang den strategischen Diskurs in den USA dominierten,  sind es nur wenige, die heute als Teil des antimuslimischen Milieus in  Erscheinung treten.</p>
<p>Insofern ist die These, daß diese Ideologie »in der Mitte der  Gesellschaft« zuhause sei, zumindest für die Vereinigten Staaten nur  bedingt richtig. Zwar ist die US-amerikanische Gesellschaft traditionell  sehr anfällig für hysterisch-paranoische Welterklärungsmuster. Aber zur  Mitte der Gesellschaft gehören auf der anderen Seite auch die Kritiker  des Antimuslimismus. Die Realität ist, daß die Thesen und Handlungen der  Muslimhasser rechtsextrem sind, daß sie sich gegen die Verfassung und  gegen die Werte richten, zu denen sich die USA trotz allem immer noch  bekennen und mit denen sie international wahrgenommen werden wollen. Die  Antimuslimisten würden sich gern als »Mitte« darstellen, aber vorläufig  führen sie nur einen Kampf um die Deutungshoheit über diesen Begriff.  Noch haben sie diesen keineswegs gewonnen. Aber sie werden stärker  werden, je länger die herrschenden Kreise der USA ihren »Krieg gegen den  Terror« fortsetzen und ausweiten.</p>
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